... einen Wecker brauche ich schon lange nicht mehr..
Mein Wecker trägt Kleidergröße 80 und kann lautstark zum Besten geben, dass er jetzt unbedingt aufstehen möchte. Und das nicht nur morgens um sieben, nein auch nachts um zwei, vier und wenn er ganz gut drauf ist, auch nochmal um sechs.
Heute ausnahmsweise nur um vier und um sieben. Ich bequeme mich also aus dem Bett und befreie den kleinen Stinker von seinen "Qualen" im Bett liegen zu müssen.. wenn er wüsste, wie schön er das nochmal finden wird..
Der erste Gang zum Wickeltisch folgt. Still liegen gibt es hier schon lange nicht mehr.
Ich schaffe es also mit Mühe und Not den Schlafanzug auszuziehen und die neue Windel an.
Wieso ziehe ich diesem Kind überhaupt noch einen Schlafanzug an? Tja, so genau weiß ich das eigentlich auch nicht. Das Kind halb nackig versuche ich ihn also mit allerhand Ablenkungsmanövern in seine Klamotten zu stecken. Is klar Mama denkt er sich vermutlich..
Nachdem er die halbe Feuchttücherpackung zerrupft hat, hab ich es zumindest geschafft
eine Hose und einen Pulloverärmel anzuziehen.
Den zweiten machen wir halt später beim zweiten Ablenkungsmanöver: Essen.
Das einärmelige Kind wird also mit ins Bad geschleppt, wo es genüsslich an einem Badeschwamm kaut. Ehe ich es irgendwie kapieren kann, ist ein großes Stück davon im Klabauterbauch verschwunden.
Mist, wieder zu langsam.. Schnell die Zähne geputzt, Augenringe überschminken und das wars dann leider auch schon wieder. In der Zwischenzeit wurde unser Föhn nämlich ausgiebig begutachtet und der kleine Mann ist auf dem Weg zu seinem nächsten Lustobjekt. Übrigens das Beliebteste im Moment. Unsere Yuccapalme. Quietschvergnügt robbt er erst gaaanz langsam und unauffällig in Richtung Blumentopf. Kurz vergewissern, dass niemand guckt und wenn Mamas lautes Neeeein erklingt, immer schneller werden und sich halb ömmelig lachen.. Genialer Schachzug.
Wird ungefähr halbstündlich wiederholt. Frühstückszeit.
Heute auf dem Speiseplan: Banane... 1 A Rumgematsche..
Das erste von vier weiteren Malen heute Tisch, Stuhl und Boden wischen. Na, immerhin ist er satt..
Hm okay, für den Papierschnipsel der gerade noch auf dem Boden lag, war wohl noch Platz.
Nachtisch geht ja immer.
Spielzeit. Angriff auf die Palme zweite Versuch. Mist, wieder nicht geschafft. Na, dann wenigstens den Schrank ausräumen. Ist ja auch ganz nett. Irgendwann werden die Augen dann wieder klein und die Stimmung kippt. Mittagsschläfchen. Kurze Pause. Aufräumen, Spülen und den Plan fassen, mich gleich mal ganz kurz hinzusetzen. Ein zartes Stimmchen. Ach, ist bestimmt nichts. Das Stimmchen wird lauter. Noch kurz das Gemüse in den Topf... Jaaa, schon gut. Windeln wechseln die vierte. Gleiche Prozedur wie oben. Mittagessen. Rührei hat übrigens eine geniale Konsistenz.. und eignet sich hervorragend zum matschen und werfen. Aber es schmeckt, ist ja die Hauptsache.
Wischen, Matschehände sauber machen. Atmen. 1,2,3. Weiter gehts... und weiter und weiter. Es folgen noch gefühlte 50 Angriffe auf die Yuccapalme, 3 leer geräumte Kisten, ein angeknabberter Kopfhörer, eine halbe verschwundene Din A4 Seite, (Mist, die brauchte ich noch.) und natürlich ein Schlachtfeld von ausgeräumten Tupperdosen und anderen lustigen Küchenuntensilien.
Nach einem schnellen Einkauf (ich brauch Schokolaaaaade) und unserem Spaziergang kommt endlich der Papa nach Hause. Ablösung. Durchatmen. Und den anstehenden Heulkrampf unterdrücken.
Ich will schlafen.
Um viertel nach neun habe ich es endlich geschafft und blicke auf das süßeste, friedlichste und liebste schlummernde Baby.
Und erst jetzt kann ich denken... der Tag hat sich gelohnt...
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